90 Jahre HHC „Flottweg“ Sillenbuch e.V.

1. Orchester beim Festakt

Am Samstag, 14. Mai fand im Stiftstheater des Augustinums der feierliche Festakt zum 90-jährigen Bestehen des Handharmonika-Clubs „Flottweg“ Sillenbuch e.V. statt.

Fast auf den Tag genau vor 90 Jahren, am 10. Mai 1932, waren in der Gaststätte „Wilhelmshöhe“ an der Kirchheimer Straße (da, wo sich heute die Parfümerie „Godel“ bzw. der Bio-Supermarkt „Naturgut“ befindet) 13 Akkordeonfreunde zusammengekommen und hatten den Verein  gegründet. Um dessen 90-jähriges Bestehen zu feiern und um zu würdigen, was der HHC „Flottweg“ Sillenbuch e.V. über Jahrzehnte zum gesellschaftlichen Leben im Stadtbezirk beigetragen hat, waren zahlreiche geladene Gäste zum Festakt ins Augustinum gekommen.

Begrüßt wurden die Anwesenden von Ulrike Kuld, der im Frühjahr 2021 neu gewählten Vereinsvorsitzenden für Verwaltung; gewohnt unterhaltsam durch das Programm führte ihr Ehemann Ulrich Kuld. Akteure aus dem Stadtbezirk sprachen Grußworte: Angelika Heilemann (für den erkrankten Bezirksvorstehers Peter Alexander Schreck), Jan-Steffen Chrobok als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Riedenberg, Pastor Markus Bauder von der Evangelisch-methodistischen Kirche sowie Pfarrerin Dr. Elisabeth Jooß von der Evangelischen Kirchengemeinde Riedenberg.

Musikalisch umrahmt wurden die Reden vom mitreißenden Spiel des 1. Orchesters des Vereins, welches erstmals unter der Leitung der neuen Dirigentin Jessica Winterholler öffentlich auftrat. Winterholler hatte den Dirigentenstab Anfang März 2022 von Alexander Cargnelli übernommen, der nach 7 Jahren engagierter, erfolgreicher Dirigententätigkeit beim HHC beruflich neue Wege einschlug. Der Feierlichkeit des Anlasses angemessen intonierte das 1. Orchester die ursprünglich für Dudelsack komponierte, eher getragene Melodie „Highland Cathedral“, wahrlich ein Stück mit Gänsehaut-Potential! Die weitere Auswahl der Musikstücke stand ganz im Zeichen des Tanzes: Virtuos gespielt wurden der „Ungarische Tanz Nr. 6“ von Johannes Brahms, der „Tango sentimentale“ von Rudolf Würthner sowie das „Allegro brioso“ aus den „Spanischen Tänzen“ von Moritz Moszkowski.

Angelika Heilemann lobte das Engagement des HHCs im Bereich der Bildungsarbeit: Zur musikalischen Grundbildung und als Vorbereitung auf das Erlernen des Akkordeonspiels bietet der Verein bereits seit 1984 Melodica-Unterricht an. Seit 2000 finden auch Musikgarten-Kurse und wenig später musikalische Früherziehung statt, in welchen auf spielerische Weise kleine Kinder an die Musik herangeführt werden. Damit sieht Heilmann den HHC „Flottweg“ Sillenbuch e.V. als einen der ältesten Akkordeonvereine in der Region auf einem zukunftsweisenden Weg.

Jan-Steffen Chrobok berichtete von den zahlreichen Querverbindungen zwischen der Freiwilligen Feuerwehr und dem HHC und dankte der „lieben HHC-Familie“ für ihr Wirken.

Auch zwischen der Evangelisch-methodistischen Kirche und dem HHC bestehen beste Verbindungen, unter anderem nutzt der HHC oft und gerne die Räumlichkeiten der Gemeinde für Proben und Feiern. In seinem Grußwort verlas Pastor Markus Bauder die „Regeln für das gemeinsame Singen“, die John Wesley, der Kirchengründer der Methodisten, 1761 aufgestellt hatte, und die sich ohne weiteres auf das Akkordeonspiel übertragen lassen: „Spiele lustvoll und voll frohen Mutes“, so lautet eine der wichtigsten Regeln.

Pfarrerin Dr. Elisabeth Jooß brachte der Festgesellschaft ein Gedicht von Martin Luther mit: „Wer sich die Musik erkiest, hat ein himmlisch Werk gewonnen, denn ihr erster Ursprung ist von dem Himmel selbst genommen, weil die lieben Engelein selber Musikanten sein.“ Damit würdigte sie den Beitrag, den der HHC erbringe, um „den Engelsklang auf die Erde zu holen“, beispielsweise bei der Begleitung vieler Gottesdienste.

Der Ehrenvorsitzende des HHC „Flottweg“ Sillenbuch e.V., Walter Steinle, warf einen launigen Blick zurück auf die vergangenen 90 Jahre. Steinle, der ein gutes Jahr älter ist als der Verein, berichtete aus eigenem Erleben von der Wiederaufnahme des Spielbetriebs ab 1947. Bei der 1.  Ordentlichen Mitgliederversammlung nach dem Zweiten Weltkrieg im Sommer 1948 hatte der Verein 11 aktive und 13 passive Mitglieder; 14 Jahre später, beim 30-jährigen Jubiläum 1962, waren es dann schon um die 40 Akkordeon-Schülerinnen und -Schüler. Steinle erzählte von den Bunten Abenden, die der HHC erst 17 Jahre lang in der Sillenbucher Turn- und Versammlungshalle veranstaltet hatte und dann, nachdem diese baufällig geworden war, weitere 6 Jahre lang in der Heumadener Halle. Bereits seit 1978 finden die Konzerte des HHCs regelmäßig im Stiftstheater des Augustinums statt, seit 1977 für 37 Jahre unter dem Dirigenten Klaus Keck. Wer mehr über die Geschichte des Vereins wissen möchte, dem sei die Vereinschronik auf der Homepage des HHCs empfohlen.

Der Landesvorsitzende des Deutschen Harmonika-Verbands Baden-Württemberg, Manfred Kappler, ging in seiner Festrede auf die Situation der Vereine unter den Bedingungen der Pandemie ein. Dem DHV sei es gelungen, bei der Landesregierung finanzielle Zuwendungen für die  Vereine zu erwirken.

Anschließend ehrte Daniela Pfletschinger, die Vorsitzende des DHV Bezirk Stuttgart-Ludwigsburg, mehrere Mitglieder für 40 bzw. 50 Jahre aktive Mitgliedschaft; acht langjährigen, verdienten Vereinsmitgliedern wurde die Ehrenmitgliedschaft im HHC verliehen. Eine besondere Auszeichnung erhielt Joachim Kersten: Er wurde für sein 50-jähriges Wirken als Dirigent in verschiedenen Akkordeon-Ensembles geehrt.

Nach zwei vom Publikum erklatschten Zugaben waren alle Anwesenden eingeladen, im Foyer bei kühlen Getränken, leckeren Häppchen und anregenden Gesprächen noch ein bisschen zu verweilen. Der HHC lädt schon heute zum nächsten Jahreskonzert ein, das für Sonntag, den 23. Oktober 2022 geplant ist. Ein Termin, den man sich merken sollte!

Die Emotionen des Tages im Bild eingefangen hat Herr Filip Filipov, Fotograf und Papa einer Akkordeonschülerin. Herzlichen Dank für die großartigen Fotos!